Freitag, 13. Juni 2014

5/5 für "Ultraviolence" von Lana del Rey

Eine musikalische Zeitreise und ein Roadtrip durch die USA nach Lana del Rey-Manier.


Eines meiner musikalischen Jahreshighlights, dem ich lang entgegensehnte, ist das neue Album von Lana del Rey "Ultraviolence". Sie ist eine der wenigen Künstlerinnen, die eine Sonderstellung auf meinem IPod einnehmen. Selten ist es bei mir der Fall, dass ich mich NICHT an einer Künstlerin und deren Songs überhöre. Schnell werden mir die immer gleichen Stimmen, Melodien und Texte überdrüssig, doch von Lana del Rey kann ich einfach nicht genug bekommen.

Ein Pflichtprogramm ist daher auch das mittlerweile 3. Studioalbum der Amerikanerin, dessen einzelne Songs ich nun besprechen möchte.


CRUEL WORLD - beginnt mit einem orientalisch anmutenden Intro und lädt in die ultraviolette Sphäre von Lana del Reys neuem Album ein. Sie besingt einen Lebensstil voller Gegensätze und lässt schon gleich im ersten Track erahnen, dass die musikalische Reise wieder einmal außergewöhnlich und berauschend wird. Cruel World ist dabei aber kein Highlight auf "Ultraviolence".

Von etwas anderem Kaliber ist da der Titeltrack ULTRAVIOLENCE. Mit seinem gehauchten Strophen und dem erhabenen Chorus erinnert er stark an die Songs auf "Born to die". Das ist jedoch nichts schlechtes, denn dieses Album und seine Erweiterung "Paradies Edition" war schlicht grandios. Nur Lana del Rey kann ein Lied über Gewalt so lieblich klingen lassen. Einzigartig ist auch ihr Sprechpart.

In SHADES OF COOL zeigt sie eine andere Facette ihrer Stimme und deren wahres Potenzial. Die Töne, welche dabei entstehen erinnern mich unfreiwillig an Disneymärchen (schade eigentlich, dass ihr Titelsong zu "Maleficent" nicht mit aufs Album durfte. Wer  sich fragt, wie es klingt, wenn Cinderella auf E-Gitarren trifft, der sollte reinhören. Doch die Antwort kann nur wunderschön lauten.

Auch in BROOKLYN BABY bedient sich Lana verstärkt den Zupfinstrumenten, doch hier steht ihre Stimme im Vordergrund, die eine berührende Geschichte erzählt. Man sieht sie förmlich vor sich, wie sie in einer alternativen Künstlerwohnung in NY hockt und ihrem Freund beim Musizieren beobachtet.

WEST COAST wurde bereits im Vorfeld veröffentlicht und ist die erste Singleauskopplung. Auch hier ist ein leicht rockiger Einfluss dank der E-Gitarren zu spüren. Ergänzt wird dies mit synthetischen Klängen und Lanas ätherischer Stimme, was dabei herauskommt, ist ein Ohrwurm, der zwischen Kopfschmerz- und Lieblingssongpotenzial schwankt. Fest steht Lana schafft es wie keine zuvor das vielfältige, zwiespältige Lebensgefühl Amerikas innerhalb zweier aufeinanderfolgender Songs zu beschreiben.

SAD GIRL erinnert hingegen an ihre älteren Stücke und trumpft mit der liebgewonnenen Melancholie vergangener Tage auf. Ich bilde mir auch ein leichte Jazz- und Swingeinflüsse herauszuhören, was dem Song mehr Gatsby- und 20er Jahre-Feeling liefert als "Young and Beautyful". 

PRETTY WHEN YOU CRY ist die bisher ruhigste, zurückhaltenste und sehnsüchtigste Nummer des Albums. Dieser Song lebt allein von seinem Text, der Lanas Stimme manchmal brechen lässt. Emotion pur.

MONEY POWER GLORY ist für mich wegen seines Gänsehaut erzeugenden Refrains ein Highlight auf "Ultraviolence". Ein wundervoller Ohrwurm, der wohl ehrlicher nicht sein könnte, doch für ihre unverhohlenen Texte ist sie schließlich auch berühmt geworden.

FUCKED MY WAY UP TO THE TOP ist der lange Titel eines Liedes, welches klingt als hätte ein Engel einen urbanen Erotikroman eingesungen. Welch sensationelle Kombination!

Ein weiterer Höhepunkt ist für mich OLD MONEY einfach arrangiert mit Piano, Streichern und Lanas Stimme entfaltet der Song sein wahres Potenzial und den aussagekräftigen Text erst nach und nach. 

THE OTHER WOMAN könnte so auch in einem Film der 50er Jahre zu hören gewesen sein können. Es ist einfach erstaunlich, welches Gefühl und welchen Zeitgeist sie mit ihrer Stimme hervorzaubern kann.

WEST COAST (RADIO MIX) ist die etwas reduziertere Version der ersten Single, sie kommt nicht ganz so wild und überladen daher. Jedoch kann ich beim besten Willen nicht sagen, welche Version mir besser gefällt.

BLACK BEAUTY kursierte schon einige Zeit zuvor im Internet.  Der sehnsuchtsvolle Text unterstreicht Lanas wundervolle Stimme auf einmalige Art. Jede Metapher strotzt vor Melancholie, man muss es mögen. Ich liebe es!

GUNS AND ROSES ist eine ganz eigene Liebeserklärung an eine Musikrichtung und eine Band, deren Einfluss auf "Ultraviolence" immer wieder durchschimmert. Konträr zum Titel kommt dieser Song jedoch erst ohne ausschweifende Gitarrenelemente aus und ist einer der ruhigeren Lieder des Albums. Erst zum Ende hin  hat man Axl Rose kurz "mitspielen lassen."

FLORIDA KILOS deckt nun auch noch den schwülen Süden der Staaten ab und dies spiegelt auch die leicht zähe Art des Gesangs wieder. Während der Refrain wieder an einen Abzählreim erinnert. Ein interessanter Song, der sein ganzes Potenzial erst beim mehrmaligen Hören entfaltet.


"Ultraviolence" ist ein Gesamtkunstwerk, welches für sich steht und keine Experimente in Lana del Reys experimentellen Art zu musizieren zu lässt. Sie ist ihrem Stil treu geblieben, sie holte das Feeling vergangener Zeiten zurück, würzte es mit viel Melancholie, fügte Guns and Roses hinzu und besang unnachahmlich das Lebensgefühl vieler Amerikaner. 
Es ist schwer in Worte zu fassen, wie und vor allem was Lana del Rey singt. Es bleibt immer viel Raum für Deutungen und Spekulationen. Einfach Hereinhören und sich selbst ein Bild von dieser herausragenden Künstlerin machen.

Mein Lieblingssong des Albums:


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