Samstag, 22. Februar 2014

4/5 für "Die Geliebte des Paschas" von Daria Charon

Kleine Schönheitsfehler und große Gefühle.

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 Lady Serena ist nicht gerade ausgelastet in der Londoner Gesellschaft und mit ihren stetig wechselnden Liebhabern, um ihre Freundin Kate vor einem traurigen Schicksal zu bewahren, geht sie an ihrer Stelle mit dem Pascha Karim auf Reisen durch Europa und in exotische, erotische Sphären.

"Die Geliebte des Paschas" von Daria Charon beginnt mit dem letzten Kapitel aus "Flucht aus dem Harem". Dabei handelt es sich hier nicht um eine klassische Fortsetzung mit Justin und Kate, sondern um die Geschichte von Serena und der Suche nach dem neuen Sinn ihres Lebens, nachdem ihre große Liebe starb. Zumindest Kate hat einen kurzen Gastauftritt, der sie jedoch in keinem wirklich guten Licht dastehen lässt, außerdem findet auch die Comtess de Rossac Erwähnung, wer Daria Charons Frankreich-Reihe gelesen hat, weiß wer gemeint ist.

Ich bin eine Anhängerin der Autorin, die mich, abgesehen von der Kurzgeschichtensammlung "Venuskuss", immer begeistern konnte. Auch hier schafft sie es wieder die Eigenschaften eines Liebesromans mit viel Erotik und einer Prise Drama gekonnt zu vereinen. Wer auf eintönige, erotische Unterhaltung gehofft hat, bei der eine Stellung nach der nächsten durchgeturnt wird, darf enttäuscht sein. Das war Daria Charon nie und das wird sie auch nie sein. Zum Glück! Für mich leben ihre Romane vor allem durch deren Charaktere. Auch hier sprühen erneut die Funken zwischen Karim und Serena, es wird dramatisch, intensiv und leidenschaftlich. Damit fesselt die Autorin wie keine zweite.

Ein paar kleinere Abstriche muss ich dieses Mal leider vornehmen. Ich hatte mich eigentlich zum Beginn des Buches darauf gefreut, dass Serena mit Karim in die exotische Welt des Orients vordringen würde und dort die Kultur und erotischen Gepflogenheiten kennenlernt. Dies geschieht leider nicht, die Reise beginnt in England geht nach Paris und endet dann erneut in England, was nicht weiter tragisch ist, da die Autorin dies spannend umsetzen konnte, doch hatte ich auf etwas anderes gehofft.
Schade fand ich außerdem, dass das Ende so abrupt kam. Ich hätte mir gerne eine versöhnlichere Szene mit Kate gewünscht und auch einen Epilog, da am Ende nicht klar ist, was die Zukunft für Karim und Serena bringen wird. Dafür stattet die Autorin ihr Buch mit einem informativen Nachwort aus, welches für mich jedoch keine neuen Erkenntnisse liefern konnte, aber für andere Leserinnen vielleicht neue Einblicke liefert.

Eine Schande ist es, dass sich der Bastei Lübbe Verlag nicht mehr den Romanen der Autorin angenommen hat. (Habe gleich mal seine fb-Seite entliked, darüber wollte ich eigentlich nur erfahren, wann der nächste Daria Charon erscheint.) Die Autorin publiziert nun über Amazon. Leider merkt man ein mangelhaftes Lektorat dem Buch sehr stark an. Zum Ende hin häufen sich die doppelten oder fehlenden Pronomen und Präpositionen stark, sodass der Lesefluss erheblich gestört wird.

Insgesamt vergebe ich dem Buch sehr gute vier Sterne. Die Autorin hat gekonnt an "Flucht aus dem Harem" anknüpfen können, und Serenas Geschichte mit bravour erzählt. Fans der Autorin sollten auf jeden Fall hier wieder zu greifen. Alle anderen, die mal wieder einen leidenschaftlichen Liebesroman lesen wollen, dann tut es hiermit!

Donnerstag, 13. Februar 2014

4/5 für "Ein Earl kommt selten allein" von Lynsay Sands

Die Geschichte vom guten und vom bösen Zwilling.


Dieses war mein erstes Buch von Lynsay Sands. Nachdem ihre Vampirreihe hier so gut ankam, ich aber eher nicht auf Reißzähne aus war, wollte ich einem ihrer Historicals mal eine Chance geben.

Von Anfang an sprach mich die Handlung der Geschichte an: Christiana ist unglücklich verheiratet, daher ist ihr Kummer nicht groß als sie ihren Ehemann Dicky eines Morgens tot im Arbeitszimmer vorfindet. Um einen Skandal zu vertuschen und ihren beiden Schwestern Chancen auf dem Heiratsmarkt zu gewährleisten, beschließen die drei Damen, Dicky ersteinmal aufs Eis zu legen. Als eben jener dann am gleichen Abend auf einem Ball auftaucht, will so keine so recht an eine Totenauferstehung glauben...

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Von der ersten Seite an hat mich Lynsay Sands mit ihrer Figurenkonstellation packen können. Die unglückliche Christiana, die für ihre beiden Schwestern das Kämpfen nicht aufgeben will und ihrem Ehemann versucht zu trotzen. Der tote Dicky (was für ein blöder Name) mit dem "Immer wieder Ärger mit Bernie" nachgespielt wird und sein für tot gehaltener Zwillingsbruder Richard.
Die kleinen Irrungen und Wirrungen sowie das leicht makabere Rumhantieren mit der Leiche, haben einen skurrilen Humor in die Geschichte gebracht und die teilweise düsteren Themen (Spielsucht, Betrug, Kidnapping und Gewalt in der Ehe) leicht erscheinen lassen. Der Roman bleibt also auf einer humoristischen Ebene und stürzt zu keiner Zeit ins Dramatische ab.

Dies ist auch mein Kritikpunkt an "Ein Earl kommt selten allein" - es fehlt ihm an Tiefe. Die Figuren können nach einem gelungen Einstieg nicht mehr an Substanz gewinnen und bleiben im Laufe der Handlung eher blass. Mir stellt sich die Frage, ob wirklich einige Figuren von Nöten gewesen wären. So hätten es auch eine Schwester und ein Freund für Richard durchaus getan, denn sie tragen soviel nicht zur Handlung bei. Wobei ich nicht weiß, ob ihnen noch zwei Folgebände gewidmet werden...
Ab der Mitte des Buches beginnt die Handlung nach dem rasanten Einstieg auf der Stelle zu treten und es kommen einige Längen dazu. Die große Auflösung um den Tod des Bruders und der Suche nach dem Erpresser ist er semispannend und von ein paar Ungereimtheiten geprägt.

"Ein Earl kommt selten allein" besitzt für mich zwei Gesichter - einmal den guten Zwilling, der mit einem rasanten, humorvollen und skurrilen Start punktet und dann ist da noch der böse Zwillinge, welcher mich am Ende eher langweilte und nicht mehr 100%ig überzeugen konnte. Alles in allem möchte ich für die Idee dahinter doch noch 4 Sterne geben.

Dienstag, 4. Februar 2014

1/5 "Seelenkuss" von Lynn Raven

Es tut mir in der Seele weh!



Darejan aus dem Volk der Korun ist die Schwester der Königin und besitzt so einige Privilegien. So lernt sie einen Fremden aus einem weit entfernten Reich kennen und lieben. Als sie eines Tages feststellt, dass etwas mit ihrer Schwester nicht stimmt, ist alles bereits zu spät und Darejan verliert ihre Erinnerung und Liebe...
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Vorab, ich bin ein großer Fan der Autorin und habe jeden ihrer Romane mit Freude gelesen, doch "Seelenkuss" ist seit langem eines der schlechtesten Bücher, welches ich lesen musste. Das zu schreiben, tut mir wirklich in der Seele weh. Doch woran liegt es?

Erst einmal war der Einstieg in die Handlung schon unglücklich gewählt wurden. Einige Kapitel werden aus der Sicht Refens erzählt, sodass ich urtümlich davon ausging, dass er der Protagonist neben Darejan sein würde. Refen besaß auch die typischen Eigenschaften eines klassischen Lynn-Raven-Helden. Meine Sympathien hatte er also, doch verschwand er schon wieder nach den ersten 100 Seiten, nur um erst in den letzten 10 (!) Seiten wieder ausgekramt zu werden.
Darejan an sich war okay - eine Umschreibung, die ich bei Charakteren sonst nie wählen würde, aber mir fallen zu ihr keine prägnanten Eigenschaften ein. Der eigentliche Held der Geschichte, dessen Name erst sehr spät genannt werden durfte, hat die Rolle des Schwachsinnigen auferlegt bekommen. So sieht Darejan ihn zumindest und redet die meiste Zeit über sehr abfällig von ihm. Der Verrückte, Dunanor, Jarhal... die Liste ist lang. Die Liste seiner Charakterzüge hingegen nicht.
In dieser Hinsicht nehmen sich Darejan und ihr Auserwählter nicht viel. Gerade weil ich von der Autorin etwas anderes gewöhnt bin - sprich vielschichtige Persönlichkeiten, gerne mit Badboyeinschlag, und gütige Frauen, zwischen den die Funken nur so explodieren - war die Enttäuschung unglaublich herb.

Was die Charaktere verbockt haben, konnte auch die Handlung nicht herausreißen. Von vornherein existiert für mich das Problem, dass beide Protagonisten unter einer magischen Amnesie stehen und ich erst gar nicht wusste, wohin die Reise uns führt, aber auch woher der Wind wehte. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass wir die Kennenlerngeschichte der beiden live miterleben und nicht in kurzen Traumsequenzen erst am Ende erfahren. Dafür hätte sich die Autorin die elendig lange Reise und Flucht übers Meer, durch Wälder, Wüsten, Ebenen, Städte oder Gebirge sparen können. Es wollte einfach nicht enden und die ganzen Katastrophen, Gegner und Kreaturen, die die Wege kreuzten, waren lästig und seitenfüllend, wie schon lang nicht mehr!
Ein wenig entsetzt war ich über die Kaltschnäuzigkeit der Protagonistin, welche am abrupten Ende, das ich mir nach der fast 600-seitigen Langeweile herbeisehnte, über zwei Menschenleben mal eben so entschied. Außergewöhnlich viele sinnlose und grausame Tode sind in "Seelenkuss" zu beklagen, welche für so junge Fantasy eigentlich nicht tragbar ist. Ich schätze "Game of Thrones" hat der Autorin als Inspiration gedient, wenn sie auch nur ansatzweise diese Spannung hätte übertragen können, wäre das Buch ein Reißer geworden.

Der Grund für meine selten vergebene Niedrigstwertung ist der Schreibstil, wenn dieser mir nicht zusagt, ist schon das halbe Buch dem Untergang geweiht.
Eigentlich liebe ich Lynn Ravens Art zu schreiben, die Gefühle, die sie damit unvergleichlich transportieren kann oder Situationen entstehen lässt. Doch hier hat sie eindeutig übertrieben! Ich als Leserin brauche einfach keine drei unterschiedlichen Begriffe für ein und das Selbe Gebiet oder Volk.  Und warum, muss ein seltsames fabelartiges Reittier mit exotischem Namen her, wenn es auch ein Pferd tun würde. Schon klar, dies ist nun mal Highfantasyliteratur, doch muss ich mir darunter doch auch etwas Vorstellen können, damit das ganze Konzept funktioniert. Das ging nur hier eben nicht, weil die Reittiere, deren komplizierter Namen mir entfiel, des Reitervolks, dessen komplizierter Name mir auch entfiel, einfach nicht beschrieben wurden. Diese Dinge häuften sich einfach, es wurden fantasievolle Worte eingeworfen, deren Bedeutung nicht erklärt wurde oder ich mir irgendwie herleiten konnte. Das macht für mich in etwa so viel Sinn, wie das Lesen von „Krieg und Frieden“, bei dem man jedoch 10% der Worte aus dem Russischen unübersetzt ließ…

Mir fällt beim besten Willen kein positiver Aspekt des Buches ein. Traurig aber wahr. Ein Indiz dafür ist, dass ich „Seelenkuss“ sechs Wochen neben meinem Bett liegen hatte, parallel ein anderes Buch beendete und eigentlich nur lustlos zu diesem Roman griff. Zum Vergleich: Ich habe „Blutbraut“ mit 150 Seiten mehr an einem einzigen Wochenende durchgelesen.
Wenn der nächste Roman von Lynn Raven ansteht, warte ich erst einmal ein paar Kritiken ab, bevor ich wieder blind zu schlage. So eine Quälerei will ich kein zweites Mal erleben. 

Wertung: 1/5